Wirtschaftskongress

Anlässlich des Internationalen Hansetag 2022 laden die Stadt Neuss, die Neuss-Düsseldorfer Häfen und die Hansegesellschaft Neuss e.V. zu einem Kongress mit hochkarätiger Besetzung ein. Die Liste der prominenten Podiumsteilnehmer wird vom Philosophen Prof. Julian Nida-Rümelin und Bundesaußenminister a.D. Sigmar Gabriel angeführt. Die Veranstaltung, die von Bürgermeister Reiner Breuer und seinem Amtskollegen Jan Lindenau als Vormann der Hanse eröffnet wird, findet im historischen Zeughaus der Stadt statt. Sie wird von der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein sowie vom Rhein-Kreis Neuss unterstützt.

„Europa als kosmopolitisches Projekt“

Der Titel des Vortrags von Prof. Julian Nida-Rümelin deutet an, welche Fragen den Vormittag inhaltlich beherrschen dürften:

Wie hält sich die „Idee Europa“ in einer von Krisen erschütterten Welt?

Welche langfristigen Auswirkungen hat eine Pandemie, in der die Länder Europas sich zwecks Eindämmung des Infektionsgeschehens eher gegeneinander abgeschottet als einander zugewandt haben?

Wie verträgt sich die bereits den EWG-Vertrag von 1957 prägende Vision des gemeinsamen europäischen Marktes mit Zollunion mit einer global – nicht nur während der Präsidentschaft von Donald Trump – zu beobachtenden Hinwendung zu Protektionismus und Strafzöllen?

Und nicht zuletzt: Wie verändert der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine die Bedeutung von Europa? Wirkt die Bedrohung einigend oder zerbricht Europa an ihr?

Fragen, auf die es am 27. Mai keine abschließenden Antworten geben kann. Aber interessante Einschätzungen sowohl aus Sicht eines der führenden Denker unseres Landes als auch aus der Perspektive eines „Elder Statesman“. Wobei damit die Rolle von Sigmar Gabriel nicht ausreichend beschrieben ist. Immerhin ist der frühere deutsche Außen- und Wirtschaftsminister auch geschäftsführender Vorstand der Atlantik-Brücke und seit einigen Tagen Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssenkrupp Steel. Kein Wunder, dass Gabriel gegenwärtig in den Medien zu den gefragtesten Gesprächspartnern überhaupt gehört.

In die Podiumsdiskussion mit diesen beiden Gästen wird Moderator Tom Hegermann mit Dirk Lange, dem für Zentraleuropa zuständigen Generalmanager von 3M, und Prof. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft, zwei prominente Wirtschaftsvertreter einbeziehen. Wie blickt der amerikanische Mutterkonzern 3M derzeit auf Europa? Wie gehen ein Multitechnologieunternehmen wie 3M, wie ein Logistikdienstleister mit dem Krieg an der Ostgrenze von NATO und EU und seinen ökonomischen Folgen um? Und welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?

Strukturwandel im Rheinischen Revier – Herausforderungen und Chancen für die Wirtschaft

Der Kohleausstieg kommt. Zwar haben der Ukrainekrieg und das Streben nach mehr Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen die Diskussion um den richtigen Zeitpunkt neu entfacht, an der Erforderlichkeit der Energiewende zweifeln aber die Wenigsten. Ohne den Ausstieg aus der Förderung und Verstromung der Kohle sind die deutschen Klimaziele nicht zu erreichen.

Was das für die Region, aber auch für die Industrie bedeutet, diskutiert Tom Hegermann nach der Mittagspause mit seinen Gästen. Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) nimmt die ganz konkreten Auswirkungen in den Blick. Was wird aus der vom jahrzehntelangen Abbau der Braunkohle gekennzeichneten Landschaft? „Wasser marsch“ und wo einst der Bagger stand darf nun fröhlich geplanscht werden? Oder bedarf es doch differenzierter Konzepte? Und wie sollen eigentlich die Arbeitsplätze ersetzt werden, die rund um Tagebau und Kraftwerke entfallen? Fragen, die aus Neusser Sicht auch den Kreisdirektor des Rhein-Kreis Neuss, Dirk Brügge beschäftigen. Als „Revierknoten“ für den wichtigen Bereich Infrastruktur und Mobilität brachte er sich ab 2019 in den Strukturwandelprozess ein und war maßgeblich an der Erarbeitung des Wirtschafts- und Strukturkonzepts für das Rheinische Revier beteiligt. Als stellvertretende Vorsitzende der Industrie und Handelskammer Mittlerer Niederrhein fokussiert sich Susanne Thywissen auf die Folgen der Energiewende für die Unternehmen. Die Kammer sieht die Chance, das Rheinland zu einer attraktiven und wettbewerbsfähigen Industrieregion fortzuentwickeln. Erforderlich seien aber energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen, die weiteres unternehmerisches Engagement befördern. Das dürfte Volker Backs, Geschäftsführer der Speira GmbH, nachdrücklich unterstreichen, verbraucht sein Rheinwerk in Neuss doch in etwa so viel Strom wie die Stadt Düsseldorf.

Kann der Strukturwandel im Rheinischen Revier ein Vorbild für andere Regionen sein? Vielleicht sogar für andere Hansestädte? Die Lausitz in Sachsen und Brandenburg steht vor einer ähnlichen Herausforderung. Die osteuropäischen Nachbarländer Deutschlands nähern sich der Energiewende hingegen mit unterschiedlicher Dynamik; in Polen etwa kommt nach wie vor 80 % der Energie aus Kohlekraftwerken. Das sind Überlegungen, die vielleicht beim abendlichen Get-Together zwischen „Neussern“ einerseits und den Besucherinnen und Besuchern aus den Hansestädten andererseits diskutiert werden können. Zuvor stellt Johann Andreas Werhahn noch die Initiative „Kompass D“ vor.

Am Nachmittag erhalten die Gäste die Gelegenheit, sich ein Neusser Unternehmen „von Innen“ anzusehen. 3M im Hammfeld und das Niederrheinwerk des zum Rheinmetallkonzern gehörenden Unternehmens Pierburg auf der Hafenmole 1 öffnen ihre Pforten für die Kongressteilnehmer. Alternativ kann der Neusser Hafen vom Wasser aus in Augenschein genommen werden, das Schiff legt in fußläufiger Entfernung vom Tagungsort ab. Hat die nachmittägliche Diskussionsrunde das Interesse am Tagebau geweckt? Ein Bus bringt die Interessierte zur Aussichtsplattform in Jüchen!

Anmeldungen zum Kongress sind online sowie per Post (Stadt Neuss, Amt für Wirtschaftsförderung, Oberstraße 7-9, 41460 Neuss), Telefax (02131/90-2473) oder E-Mail (wirtschaftsfoerderung@stadt.neuss.de) möglich. Die Teilnahme setzt die Entrichtung einer Anmeldegebühr (140 €) voraus. Die Rechnungsstellung erfolgt nach Anmeldung durch die Stadt Neuss Event GmbH.

Das vollständige Programm und alle Informationen rund um die Anmeldung und den Ablauf der Veranstaltung entnehmen Sie dem Einladungsflyer, der auf den Seiten der Stadt Neuss für Sie zum Download bereitsteht.

Programmablauf

Zeit Programmpunkt
9.30 Uhr Einlass / Begrüßungskaffee
10.00 Uhr Eröffnung / Begrüßung durch Vormann der Hanse und Bürgermeister Jan Lindenau (Lübeck) Bürgermeister Reiner Breuer (Neuss)
10.15 Uhr Vortrag Julian Nida-Rümelin, Philosoph „Europa als kosmopolitisches Projekt.“
11.15 Uhr Statement Sigmar Gabriel, Bundesaußenminister a.D.: „Quo vadis, Europa?“
11.45 Uhr kleine Pause
12.00 Uhr Diskussionsrunde zum Thema „Europa“:
  • Prof. Julian Nida-Rümelin
  • Sigmar Gabriel
  • Dirk Lange, Generalmanager 3M
  • Prof. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer Lübecker Hafen-Gesellschaft
13.00 Uhr Mittagsimbiss im Zeughaus
14.00 Uhr Diskussionsrunde zum Thema „Strukturwandel im Rheinischen Revier – Herausforderungen und Chancen für die Wirtschaft“:
  • Bodo Middeldorf, Geschäftsführer Zukunftsagentur Rheinisches Revier
  • Susanne Thywissen, Vizepräsidentin IHK Mittlerer Niederrhein
  • Dirk Brügge, Kreisdirektor Rhein-Kreis Neuss
  • Volker Backs, Speira Rheinwerk Neuss
15.00 Uhr Vorstellung der Unternehmerinitiative Kompass D – Johann-Andreas Werhahn
15.30 Uhr Firmenbesuche (mit Shuttle-Service)
  • 3M
  • Rheinmetall/Pierburg
  • Hafenrundfahrt
  • Besichtigung Tagebau (Garzweiler)
18.00 Uhr Get-Together im Zeughaus