HANSEartWORKS

Die diesjährige Ausgabe der HANSEartWORKS steht ganz im Zeichen der Performance: 13 Künstler*innen oder Künstlergruppen werden von Städten aus dem Hansebund nach Neuss entsendet und erschließen sich die Alte Post und den umliegenden Stadtraum mit unterschiedlichsten performativen Aktionen. Die künstlerischen Einlagen sind an das diesjährige Motto des Hansetages „In the flow of time“ angelehnt. Es wird musikalisch, es wird interaktiv, häufig überraschend, bestimmt auch mal laut, es wird lustig, durchaus auch kulinarisch und ganz sicher sehr sehenswert! Die Alte Post lädt ein um ‚mal vorbeizuschauen‘ und in der Performance Lounge zu verweilen, denn das Programm ist dicht, abwechslungsreich und niemals langweilig.

Das Kulturforum Alte Post liegt auf der Route des Rundwegs, in der Nähe des Neusser Rathauses. Neben dem dichten künstlerischen Programm wird es auch eine Ausstellung in den Innenräumen der Alten Post geben, die sich über den Hansetag stetig verändern wird. Die Performance Lounge will nicht nur Aktions- sondern auch Begegnungsort sein, so stehen auf dem Vorplatz Speise- und Getränkewagen mit vielen Sitzgelegenheiten bereit, im Garten kann eine Decke ausgelegt werden. Abends wird zu experimentellen Klängen das Tanzbein geschwungen.

Die HANSEartWORKS sind seit 2007 fester Bestandteil des Hansetages: Jedes Jahr können sich Künstler*innen aus den Mitgliedsstädten des weltweit größten freiwilligen Städtebundes bewerben, um ihre Hansestadt bei der jährlichen internationalen Ausstellung zu repräsentieren.

Programm

Das Programm ist dicht, die Performance Beiträge sehr unterschiedlich und breit gefächert und Raum für Improvisation und Spontanität ist gegeben. Wir freuen uns, wenn Sie immer wieder vorbeischauen, sich überraschen lassen und vielleicht sogar Teil einer Aktion werden.

Hier geht’s zum diesjährigen HANSEartWORKS Programm.

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Teilnehmer*innen

Im Folgenden werden alle teilnehmenden Künstler*innen und Künstlergruppen aus den 13 Hansestädten kurz mit ihren Aktionen für HANSEartWORKS vorgestellt.

Danzig: Honorata Martin

Honorata ist Malerin, Performerin und multimediale Künstlerin. In ihren Aktionen setzt sie sich häufig Situationen aus, die mit Überwindung der eigenen Grenzen und Ängste einhergehen.

Ihre Performance für HANSEartWORKS wird bereits in ihrer Heimatstadt Danzig beginnen: Von dort aus wird sich Honorata mit dem Auto auf den Weg nach Neuss machen. Auf ihrem Wagen wird der Satz »Ich weiß nicht« stehen und diese Botschaft wird die Künstlerin auch per Megaphon auf ihren Stationen, in den Dörfern, Städten und Gemeinden, auf Parkplätzen von Einkaufszentren, auf Marktplätzen und unter Kirchen verkünden. Die Aktion und die Reaktionen werden filmisch dokumentiert und in der Alten Post präsentiert. Das Finale ihrer Reise findet auf dem Vorplatz der Alten Post statt.

culture.pl/en/artist/honorata-martin

Dortmund: Anke Ames

(Foto: Ulrike Korbach)

Anke Ames ist Violinistin, Komponistin und bezeichnet sich als ‚Fragment-Künstlerin‘. Ihr kompositorisches Schaffen, aufbauend auf der ‚grafischen Komposition‘ ist inspiriert von Begegnungen mit Musiker*innen, Künstler*innen und anderen ihr nahestehenden Menschen. In ihrer Kunst arbeitet sie mit Klängen, Lyrik und Zeichnungen. Bei ihren musikalischen Performances, wie sie bei HANSEartWORKS stattfinden wird, findet Anke ihren Ausgangspunkt häufig in klassischer Musik, jedoch ‚übermalt‘ sie die ihr bekannten Stücke ab dem ersten Bogenstrich und verwandelt diese in Echtzeit zu neuen Kompositionen. Was dabei herauskommt sind vorwiegend zeitgenössische Klänge und der eigentliche Aufführungsmoment ist spontan und unmittelbar von ihren gegenwärtigen Gefühlen und Energien geleitet, die sich in der Musik ausdrücken.

www.ankeames.de

Greifswald: Astrid Brünner & Marcus Schramm

Astrid beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Tätigkeit mit Malerei, Grafik und Performance, häufig im öffentlichen Raum und in Interaktion mit anderen Akteur*innen. Marcus ist Künstler und Kunstpädagoge, arbeitet aber auch als Kurator und Galerist der Neuen Greifen Galerie.

Mit ihrer performativen künstlerischen Aktion im öffentlichen Raum möchte das Duo spontane Begegnungen und Interaktion ermöglichen und Kontakte knüpfen.

Das Quadrat und der Würfel, die vordergründigen Elemente der Performance, markieren einen abstrahierten und entrückten Raumkörper und bilden so eine Ebene für die Sichtbarmachung von Handlungen und Situationen. In den Performances werden Innen- und Außenräume untersucht, Bildräume erkundet und in Inszenierungen performativ bespielt. Dabei ereignen sich spontane Begegnungen, wodurch zufällige Situationen in den Blick geraten und ein zeitlicher Moment ins Bewusstsein dringt.

www.astridbruenner.de www.marcus-schramm.de

Hannover: Kerstin Möller

Kerstin Möller, Melting bodies, 2018 (Foto: Karolina Sobel)

Kerstin Möller studierte Choreographie, Medienkunst und Urbanismus in London, Reykjavik, Dartington, Karlsruhe. Ihre künstlerische Praxis umfasst neben Choreografie auch Performance, Installation und Medienkunst. Derzeit erforscht sie die Ästhetik und die Auswirkungen des Klimawandels und extreme emotionale Zustände.

In der Alten Post wird Kerstin eine Video-Sound-Installation präsentieren, die mit einem Live-Performance-Element erweitert wird. Die Installation zeichnet die Bewegung und die Zeit nach, die Wasser braucht, um sich um den Globus zu bewegen, wobei es sich von fest zu flüssig zu verdampft verändert. Indem sie den Ozean als umstrittenen Raum darstellt, in dem politische und territoriale Grenzen gezogen werden, bewegt sich das Wasser selbst jenseits jedes Konzepts von Grenzen, Staaten oder konkretem territorialem Besitz und erinnert uns so an die Vergänglichkeit etablierter Systeme.

Hattem: Edith de Jong

Ediths künstlerische Arbeit dreht sich um das Thema der Verbindung: Verbindungen zwischen Menschen und Aspekten des täglichen Lebens. Aber auch eben die ganz praktischen alltäglichen Elemente, wie Gerüste, Baustellen, Ebenen und Linien, Mikrochips.

Für HANSEartWORKS wird Edith das Publikum mit einbeziehen und einladen, ein bestehendes Kunstwerk in neue(s) Kunstwerk(e) zu verwandeln. Dazu wird eine gewebte Arbeit in die Ausstellung in dr Alten Post integriert und soll durch die Besucher*innen verwandelt, fragmentiert, vielleicht in gewisser Weise zerstört aber gerne auch weitergetragen, mitgenommen und an neuen Orten installiert werden. Der Geist von HANSEartWORKS soll mit dieser Eröffnungsperformance in gewisser Wiese die gesamte Stadt getragen werden.

www.edithdejong.art

La Rochelle: Jérôme Abel

Jérôme ist bildender Künstler mit einem multimedialen Schwerpunkt. In seinen Installationen und Performances inszeniert er interaktive Situationen, hybride und kinetische Skulpturen, die unsere Beziehung zu Artefakten, zum Leben und zu den Phänomenen des Wissenserwerbs und -austauschs hinterfragen.

Das Projekt für HANSEartWORKS steht in Verbindung mit dem LIENSs, einer Forschungseinheit des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung und der Universität La Rochelle, und ist Teil einer Untersuchung der Beziehungen zwischen mikroskopischen Welten und Klimafragen. In einer durchsichtigen Röhre werden Materialien (Sand, Steine, Scherben usw.) gesammelt, die zuvor in der Neusser Innenstadt oder in der Natur gesammelt wurden. Während der audiovisuellen Performance sammelt der Künstler diese Materialien auf einer transparenten Platte, die von unten gefilmt wird, und löst Klangereignisse aus.

www.jeromeabel.net

Lübeck: Janine Gerber

Janine Gerber, Papier–Raumkörper, Performance 2021 (Foto: Helge Mundt)

Janine ist in ihrem künstlerischen Schaffen daran interessiert, natürliche Phänomene einzufangen: die Bewegung von Menschen, aber auch die Bewegung und Körperlichkeit in der Natur. Es geht also um die Wahrnehmung alltäglicher, häufig unbewusster Veränderungsprozesse und Transformationen und diese sichtbar zu machen.

Für HANSEartWORKS wird Janine in ihrer Performance eine sehr große Papierrolle mit ihren Händen aufrollen und zuschauen, wie sich das Papier verhält, wie es in den Raum hineinfällt. Das Papier bildet einen Bildraum, in dem die Künstlerin die Verbindung zwischen Bild- und Außenraum beobachten und durch ihr performatives Zutun verändern kann. Das Papier findet im realen Raum in Verbindung mit der Architektur und dem Einfluss des natürlichen Lichtes, seine eigene Bewegung, um Raumkörper zu schaffen, die sich im nächsten Moment transformieren, wieder entziehen und auflösen. Das Weiß der Papierbahn gleicht dabei einem Pinselstrich im realen Raum.

www.janinegerber.de

Neuss: famka

famka formierte sich im Jahr 2020 zu einem Kollektiv und setzt sich aus den Künstlerinnen Janina Brauer (Malerei, Illustration), Claudia Ehrentraut (Zeichnung, Plastik, Performance) und Michaela Masuhr (Bildhauerei, Zeichnung, Performance) zusammen. famkas Projekte leben von der gegenseitigen Beeinflussung der drei Frauen, die in Performances, Projekten und Ausstellungen münden. Hierbei ist ein Thema, welches die drei Künstlerinnen verbindet, dem Unaussprechlichen (Ängsten, Traumata) eine Stimme zu geben.

Die für HANSEartWORKS vorbereitete Performance beschäftigt sich mit dem Thema: Was macht mich aus? Sie stellen Fragen an ihre eigene Identität: Wer bin ich und wer will ich sein (als Frau, als Person)? Welche Einflüsse früherer (Frauen-) Generationen prägen uns als modernen Menschen noch immer? Welche Dinge aus der Vergangenheit beschäftigen uns, welche beeinflussen uns? Welche bleiben oder können nicht unterdrückt werden?

www.famkakollektiv.com

Pärnu: Billeneeve

(Foto: Simo Ulvi)

Billeneeve (das Pseudonym von Pille Neeve) ist eine barocke, überschwängliche, verrückte, heitere, sexuelle Performance-Künstlerin. Sie ist ein Phänomen, das die Gesellschaft und ihr Umfeld mit ihrer Präsenz, mit ihrer Anwesenheit schockiert; eine positive Explosion; ein Wesen, das den Raum um sich herum Raum, um sie herum in Kunst verwandelt.

www.facebook.com/Billeneeve

Pärnu: Leonardo

Alar Raudojas Alter Ego ‚Leonardo‘ versucht in seinem Künstlerischen Schaffen, mystische Codes und Rätsel zu lösen und sie in einfache Darstellungen des Alltags zu verwandeln.

Bei HANSEartWORKS präsentiert er einen Auszug seiner fotografischen Serie SOUL & BODY, welche das jährlich stattfindende Performance Festival „Diverse Universe“ in Pärnu, Estland dokumentiert. Das Festival hat eine lange Tradition und wird von der Künstlergruppe Non Grata veranstaltet.

leonardo.linnagalerii.ee

Stade: Malefikanten

Die Malefikanten sind ein befreundetes Improvisations-Perfomance-Duo, das sich aus Arvild J. Baud, freier Soundkünstler, Performer und Komponist, mit einer multimedialen Mischung aus Theater, Performance, Film und Visual Sound Art, und Dirk Meinzer, postkonzeptueller Künstler, mit Schwerpunkten in Malerei, Zeichnung, Objekten, Performances, Installationen, Büchern sowie Assemblagen mit organischem Material wie Teilen von Tieren, Lebensmitteln oder Fäkalien, besteht.

Zu HANSEartWORKS nach Neuss kommen die beiden in Verkleidungen, mit Schallplatten zum Mixen, allerlei Instrumenten und werden spontan, hysterisch, laut und wieder ganz leise agieren. Sie verführen das Publikum mit einem Lächeln, einem Wundern, einem Verrücken in eine fremde akustische halluzinatorische Welt. Es wird gegurgelt, gesungen und Poesie lautmalerisch zitiert.

Toruń: Toruńska Orkiestra Improwizowana

Das Improvisationsorchester aus Toruńs besteht aus professionellen Künstler*innen, Amateuren und Musikliebhabern. Die Gruppe macht musikalische Improvisationen, manchmal in kleinen Gruppen, manchmal sogar mit 12 oder sogar 15 Personen, wobei sie nicht nur Musikinstrumente wie Trompete, Waldhorn, E-Gitarre, Schlagzeug, Congos, sondern auch alles, was eine Klangimprovisation ermöglicht, wie Gießkannen und anderen alltäglichen Objekten.

In Neuss plant die Gruppe den Bau eines Metronoms unter Verwendung einer Schubkarre aus Toruń und unter Hinzufügung einiger in Neuss gefundener Gefäße, Töpfe und Schalen. Es wird eine Art Instrument sein, das einen Klang durch das Tropfen und Fließen von Wasser erzeugt. Während der Aufführung wird die Gruppe eine musikalische Improvisation zum Thema des fließenden Wassers machen, angelehnt an die Weichsel in Toruń – eine mittelalterliche Straße für Schiffe zu den nächsten Städten, die seit jeher als Hansestädte zusammenarbeiten.

www.facebook.com/torunskaorkiestraimprowizowana

Visby: Theodor Ryan

Theodor Ryan ist ein konzeptueller darstellender Künstler. Zusammen mit seiner Duo-Partnerin Johanna Karlsson hat er ein szenisches Stück produziert, das er während der HANSEartWORKS in der Alten Post präsentieren wird. In dem Stück wird eine Modellwelt aus Beton (nach Wasser der meistverwendete Stoff der Welt) geschaffen. ‚Der Fluss der Zeit‘ wird durch Licht, Dramaturgie und die Anwesenheit der Darsteller und des Publikums erzeugt. In unserer Zeit des Klimawandels sprechen wir ständig von einer kommenden Zukunft, wir machen Voraussagen, Versprechen und fordern oder verweigern sofortiges Handeln. In dieser Performance wird genau das Handeln in der Gegenwart in Bezug auf das Konzept der Zukunft thematisiert.

www.karlssonryan.com

Wismar: Lydia Klammer

Mit der Spanne zwischen Performance, Theater, Druckgrafik, Zeichnung, Fotografie und Interventionen steht Lydia Klammer auf den Schultern vieler Riesen und doch selbst mit den Füßen fest auf dem Boden. Sie ist eine kreative Kämpfernatur – die Venus mit dem Spiegel – nur richtet sie diesen dabei nicht auf sich. Sie spannt ferner den Bogen zwischen einer lebendigen, leiblichen Gegenwart und reduzierten, zarten Atmosphäre menschlicher Abwesenheit.

Für ihre Performance bei HANSEartWORKS begibt sie sich in die vorgegebene, begrenzte Form eines Würfels – in einen Zustand von Abstinenz und Restriktion. Bewegungen sind erschwert, sowohl physisch als auch mental, zudem ist aber auch Zeit zur Kontemplation, der inneren Einkehr, des Kampfes und dem Wesentlichen – der Neugier. Die mit „Konfetti im Kopf“ betitelte Performance erzählt von den Umständen vor, während und nach der Erkenntnis und bis zu dieser ist es nicht selten ein langer Weg.

www.lydiaklammer.org

Supporting Act: Xenia Ende

Lydia Klammer wird bei ihrer Performance „Konfetti im Kopf“ musikalisch von der transdisziplinären Künstler*in Xenia Ende unterstützt. Xenia geht es um Umsicht, Spielfreude, Improvisation, Beziehungsweisen, Poesie, Schönheit, Feminismus, Frechheit, Humor, Verdrehung, Drag, Queering und Effekthascherei. Sie nennt, was sie macht „Neurotrans*verse Performation“ ein erfundenes Klammerwort bestehend aus Neurodiversität, Trans-Gender/Sexualität, sowie Performance und Perforation.

Veranstaltungsort:

Kulturforum Alte Post
Neustraße 28
41460 Neuss
haw.neuss@gmx.de

Kuratorisches Team:

Klaus Richter (Künstlerische Leitung)
Bianca Quasebarth (Projektmanagement)

Weitere Infos unter: